

Beschreibung
Drei Jahre lang wurde sie unfruchtbar genannt. Drei Jahre lang machte sie sich klein, um bei einem Gefahrten zu uberleben, den das Rudel vergottert und hinter verschlossenen Turen niemand sieht. Heute Nacht macht Nell Adler einen Schwangerschaftstest - zwei pinke Linien - und bekommt nicht einen einzigen Moment, um damit allein zu sein. Callum kommt nach Hause, beschamt und auf der Suche nach jemandem, an dem er seinen Schmerz abladen kann. Dieses Mal helfen weder die sanfte Stimme noch die offenen Handflachen. Sein Wolf kommt an die Oberflache, und Nell versteht: Diese Nacht wird kein Ende finden. Doch dann antwortet etwas aus ihrem Inneren. Eine Hitze, die sie noch nie gefuhlt hat - nicht ihr Wolf, etwas Tieferes. Als sie die Augen offnet, steckt ein Kuchenmesser in seiner Brust. Sie hat gerade den goldenen Erstgeborenen des Rudels getotet. Niemand wird ihr glauben, dass er ein Monster war. Mit verstecktem Bargeld, Dokumenten und einem Kind, das eine Kraft in sich tragt, wie sie die Adler-Blutlinie seit Generationen nicht mehr gesehen hat, flieht Nell. Das Rudel wird suchen kommen. Nicht nach ihr. Sondern nach dem, was sie bei sich tragt.
Kapitel 1
Apr 30, 2026
[Nells Sicht]
Der Riss im Badezimmerspiegel teilt mein Gesicht in zwei Hälften. Ich lege den Schwangerschaftstest auf den Rand des Waschbeckens und zähle bis drei, weil auf der Packung drei Minuten steht, aber ich war noch nie geduldig, wenn ich Angst habe.
Zwei rosa Linien. Drei Jahre lang hat Callum mich unfruchtbar genannt, drei Jahre lang die zusammengepressten Lippen seiner Mutter und der Blick seines Vaters, der meinen flachen Bauch musterte, und ausgerechnet heute Nacht entscheidet mein Körper, allen das Gegenteil zu beweisen.
Meine Hand findet meinen Bauch – flach, unscheinbar, und doch birgt er das gefährlichste Geheimnis im Adler-Rudel. Nichts sagt so sehr "liebevolle Familie" wie die Gewissheit, dass ein positiver Schwangerschaftstest eine geladene Waffe ist.
Die Haustür knallt so heftig zu, dass der Medizinschrank wackelt. Whiskey, Wut, und darunter der scharfe metallische Beigeschmack von Demütigung – Callums Geruch schlägt durch die Badezimmertür, noch bevor er drei Schritte ins Haus gemacht hat.
Meine Hände bewegen sich automatisch. Test hinter das Waschbecken, Hemd glatt gezogen, Gesicht in die geübte Leere gelegt, die sagt: Ich bin keine Bedrohung, ich bin Möbel, bitte zerstöre etwas anderes.
Er läuft in der Küche auf und ab, als ich herauskomme, die Jacke noch an, und schlägt jede Schranktür zu, an der er vorbeikommt. Er sucht nicht nach etwas – er macht einfach Lärm, markiert sein Revier mit Zerstörung, wie er es immer tut, wenn die Welt draußen ihn nicht rechtzeitig bewundert.
"Was ist passiert?" Leise Stimme, offene Handflächen an meinen Seiten. Die Choreografie, die ich im ersten Ehejahr gelernt habe – mach dich klein, stell die Frage, überlass ihm die Bühne.
"Dein verdammter Schwiegervater." Er reißt eine Schranktür so heftig auf, dass das Scharnier schreit und das Holz splittert. "Hat sich vor allen Ältesten im Saal hingestellt und vorgeschlagen, vielleicht sollte ich mich mal selbst untersuchen lassen."
Meine Nägel graben sich halbmondförmig in meine Handflächen, aber mein Gesicht bleibt vollkommen leer. Harlan – der große Adler-Alpha höchstpersönlich – hat das öffentlich gesagt, vor Wölfen, die seinen goldenen Erstgeborenen seit beinahe drei Jahrzehnten anbeten.
"Er meinte, vielleicht liegt das Problem nicht nur bei dir." Callum dreht sich zu mir um, und was hinter seinen Augen aufblitzt, ist nicht ganz menschlich. "Nur – als würde er dir einen Teil der Schuld für meine ruinierten Leben zugestehen."
"Es tut mir leid." Erstes Werkzeug im Kasten – zustimmen, aufnehmen, entschuldigen. "Das klingt schrecklich. Hat jemand widersprochen, oder—"
"Nicht." Er bleibt stehen, sein Kiefer wird hart wie Beton. "Tu das nicht. Versuch mich nicht mit der sanften Stimme und den offenen Händen zu besänftigen wie einen Hund, den du nicht erschrecken willst."
"Ich besänftige dich nicht." Mein Rücken findet die Anrichte hinter mir und drückt sich flach dagegen. "Ich frage, was passiert ist, damit ich helfen kann."
"Helfen?" Er halbiert die Distanz, und die Küche schrumpft mit jedem Schritt. "Du kannst nicht helfen. Drei Jahre lang ist dein Körper nutzlos, und jetzt denkt mein Vater, der Defekt liegt bei mir."
"Das ist nicht fair." Meine Stimme klingt fester, als meine Hände sind. "Ich habe ihn zu nichts gebracht, Callum."
"Fair." Das Wort klingt, als würde er darauf herumkauen und es wieder ausspucken. "Drei Jahre lang habe ich dich gedeckt. Den Ältesten erzählt, du versuchst es, meiner Mutter gesagt, sie soll Geduld haben, dich vor jedem Gerücht geschützt, während du hier sitzt und strickst."
"Das ist nicht—" setze ich an, aber seine Faust kracht auf die Anrichte neben mir, so nah, dass die Erschütterung durch meine Hüfte geht und mir den Satz im Hals erstickt. Die Tasse, die ich neben dem Herd stehen ließ, springt hoch und zerschellt auf den Fliesen.
"Drei Jahre, Nell." Er lehnt sich vor, alle Muskeln in seinem Hals sind zum Zerreißen gespannt. "Und dein Körper schafft nicht einmal das Einzige, wofür er gemacht wurde."
"Es tut mir leid." Die Worte kommen automatisch, glatt geschliffen vom ständigen Gebrauch, dieselben zwei Silben, die ich dieser Maschine schon tausendmal gefüttert habe. "Ich weiß, das ist schwer für dich."
"Schwer für mich." Er richtet sich auf, sein Lachen ist kurz und luftlos. "Du hast keine verdammte Ahnung, was für mich schwer ist."
Als Erstes fliegt der Tisch. Er wirft ihn mit einer Hand um, alles darauf zerschellt am Boden – Teller, eine Tasse, die Butterdose, die ich auf dem Markt gekauft habe. Dann folgt ein Stuhl, kracht durch die Wand, Gipsstaub quillt in einer weißen Wolke hervor.
Das Geräusch aus seiner Kehle ist keine Sprache mehr. Sein Wolf drängt nach vorne, Muskeln zucken unter der Haut, und ich kenne diese Landkarte – ich habe jede Route seiner Gewalt studiert, wie Seeleute das Wetter lesen. Jede Route hat eine Grenze, an der der Sturm seinen Höhepunkt erreicht und nachlässt.
Heute Nacht gibt es kein Ende. Ich spüre das Fehlen wie eine Falltür, die sich unter mir öffnet, und der tierische Teil meines Gehirns – der Teil, der mich drei Jahre lang am Leben gehalten hat, indem ich seine Stimmungen wie Wetterlas gelesen habe – schreit nur ein Wort: lauf.
"Callum, sieh mich an." Ich presse mich so fest gegen die Anrichte, dass meine Schulterblätter schmerzen. "Du willst das nicht tun."
"Sag mir nicht, was ich will." Er knurrt, tritt durch die Trümmer, schließt die restliche Distanz. "Du hast mir nie wieder etwas zu sagen."
"Halt nur eine Sekunde an." Meine Hände gehen hoch, Handflächen nach außen, die universelle Geste der Kapitulation. "Wir können darüber reden, wenn du—"
"Reden?" Er lacht, und das Geräusch kratzt am Mark. "Du hast mir nie ein einziges ehrliches Wort gesagt. Keine Silbe in drei Jahren, die nicht dazu diente, mich zu beruhigen."
Dann antwortet etwas aus meinem Bauch. Nicht mein Wolf – etwas Tieferes, etwas Älteres, eine Hitze, die aus einem mir unbekannten Ort aufsteigt. Sie strömt durch mich wie ein Strom, weißglühend, lebendig, und alles wird schärfer.
Ein Holzsplitter schleudert auf meinen Kopf zu. Er sollte mich treffen – ich war noch nie schnell genug, irgendetwas in dieser Wohnung auszuweichen. Meine Wirbelsäule biegt sich zur Seite, und das Holz streift mein Haar.
Callums Augen verengen sich. Etwas flackert über sein Gesicht, schnell und unerkennbar, aber sein Wolf ist schon zu weit vorne, um aufzuhören. Er drängt mich gegen die Anrichte, knurrt, Zähne zu lang für einen Menschen, sein Atem so heiß, dass ich ihn an meinem Hals spüre.
"Wohin willst du gehen?" Die Worte sind kaum menschlich, alles Knurren und Kies. "Du gehst nicht, Nell. Du gehst nie."
Er springt vor. Ich schließe die Augen, und etwas Kaltes findet meine Handfläche – Gewicht, Balance, Metall auf Haut. Mein Arm bewegt sich in eine Richtung, die ich nicht gewählt habe, mit einer Kraft, die ich nie hatte, geführt von der Hitze in meinem Bauch, die wie ein zweites Herz brüllt: Überlebe.
Als ich die Augen öffne, steckt ein Küchenmesser bis zum Griff in seiner Brust. Die Wut entweicht aus seinem Gesicht wie Wasser durch einen Riss, und was bleibt, habe ich in drei Jahren Ehe nie an ihm gesehen.
"Nell—" Mein Name in seinem Mund, kaum hörbar. Seine Hände greifen nach dem Griff und kommen nicht an.
Er fällt. Die Küche wird still, nur Gips rieselt und mein eigener Atem füllt, rau und viel zu laut, jede Ecke eines Raumes, der in drei Jahren nie so ruhig war. Meine Hand ist noch ausgestreckt, Finger um Luft gekrallt, zitternd, dass die Zähne klappern.
Hinter mir auf dem Waschbecken steht der Schwangerschaftstest mit seinen zwei rosa Linien. In meinem Bauch rollt sich die Hitze, die eben noch den geliebten Erstgeborenen des Adler-Rudels getötet hat, nach innen und wird still – wie eine Faust, die sich öffnet, als wäre sie nie da gewesen.

How to Get Away With a Murder
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