

Beschreibung
"MATE" donnerte eine Stimme und das Getummel im Saal verstummte vollig. Eine bedrohliche Aura erfullte den ganzen Raum. Ich trat aus meinem Versteck heraus und kam ein Stuck naher. Schiefergraue Augen fanden sofort meine. Er stampfte auf mich zu und stellte seine Beine weit auseinander, als er nur wenige Zentimeter von mir entfernt war. Er war mindestens zwei Fuss grosser als ich. Ich konnte den Blick nicht abwenden, um sein ganzes Gesicht zu betrachten. Seine Augen waren faszinierend, selbst wenn sie einen so kalten Blick ausstrahlten. "Er kann unmoglich eine Gefahrtin haben." "Er ist ein Monster!" "Das arme Madchen." Flustern war uberall zu horen, aber ich ignorierte sie alle. Ich wurde immer noch von den goldenen Augen meines Gefahrten gefangen gehalten.
Kapitel 1
Mar 26, 2026
Morena
„Jeder sollte ab Beginn der Feier höchste Wachsamkeit walten lassen. Ich will keine Fehler. Diese Zusammenkunft könnte sehr leicht in einem Blutbad enden.“ sagte Alpha Luke gewissenhaft, während seine Augen durch den Raum glitten.
Das ganze Rudel war anwesend. Sogar die Kinder wurden gezwungen, sich zu setzen und zuzuhören. Dies war ein fremdartiger Anlass. Es ist das jährliche Treffen. Ein Fest, bei dem Vertreter jedes Rudels für eine Nacht zusammenkommen. Eine Nacht, in der Waffenstillstände geschlossen und Kriege erklärt werden. Eine Nacht, die oft in einem Blutbad endet.
Das gastgebende Rudel erleidet dabei offensichtlich jedes Mal die meisten Verluste. Deshalb wird es jedes Jahr in einem anderen Rudel abgehalten.
Dieses Jahr jedoch war alles weitaus merkwürdiger als in den letzten Jahren. Alpha Leander nimmt dieses Jahr am Treffen teil. Er wurde in den letzten fünf Jahren von niemandem außerhalb seines Rudels gesehen. Außenstehende, die ihn tatsächlich gesehen haben, lebten nie, um die Geschichte zu erzählen.
Alle waren angespannt. Niemand kennt den wahren Grund für sein Verschwinden. Die Ältesten schweigen darüber, und jede Information ist nur Klatsch und Spekulation.
Dies ist das erste Treffen, an dem ich teilnehmen werde. Das letzte, das mein Rudel ausrichtete, liegt Jahre zurück, noch bevor ich geboren wurde.
Trotzdem bin ich irgendwie aufgeregt wegen der Veranstaltung. Vielleicht treffe ich endlich meinen Gefährten. Ich bin seit über sieben Monaten achtzehn und mein Gefährte gehört definitiv nicht zu unserem Rudel oder zu einem anderen in der Nähe. Ich habe jede gesellschaftliche Veranstaltung besucht, aber bisher erfolglos.
Ich habe ohnehin niemanden außer meiner kleinen Schwester in diesem Rudel, und ich habe Alpha Luke bereits klargemacht, dass sie mit mir kommt, falls ich mit jemandem außerhalb meines Rudels verbunden werde. Vorausgesetzt, sein Alpha stimmt dem zu.
Rena und ich verloren unsere Eltern schon in jungen Jahren. Beide waren Rudelkrieger. Sie starben in einem Krieg, der zwischen uns und einem Nachbarrudel tobte. Als das geschah, wurde ich über alles verbittert. Zum Glück war Rena damals zu jung, um irgendetwas zu verstehen. Ich musste eine Zeit lang zur Therapie. Und ich bin froh, dass sie das nicht auch durchmachen musste. Ich bin die einzige Familie, die sie noch hat, und ich würde sogar meinen Gefährten für sie aufgeben, wenn ich mich entscheiden müsste.
Ich hatte nicht vor, während der Versammlung lange zu bleiben. Ich wollte nur aus der Ferne einen kurzen Blick werfen, falls ich die Präsenz meines Gefährten spüren könnte. Wenn er nicht da ist, verschwinde ich unbemerkt. Angesichts meiner Tollpatschigkeit würde ich mich sonst nur in unnötige Schwierigkeiten bringen, wenn ich zu lange bleibe. Das Letzte, was ich will, ist, Rena oder mich in eine ernste Lage zu bringen. Sie wird sowieso nicht an der Feier teilnehmen.
**************
Unauffällig bleiben. Mit niemandem sprechen außer mit den eigenen Rudelmitgliedern. Einmal schnuppern und dann sofort verschwinden. Das habe ich mir immer wieder gesagt, während ich zur Festhalle ging. Ich trug mein Lieblings-Sommerkleid. Ich wollte gut aussehen, falls ich meinen Gefährten traf.
Im Rudel herrschte geschäftiges Treiben. Alles war ordentlich hergerichtet. Selbst der kleine Mülleimer an der Tür des Rudelhauses hatte nun einen Deckel. Alpha Luke und Luna Eve gaben wirklich alles für dieses Fest.
Seit heute früh trafen Gäste ein. Ich konnte spüren, wie sie die Grenze des Rudels überschritten. Jeder von ihnen verströmte ein bestimmtes Gefühl von drohender Gefahr, jedes in unterschiedlichem Maß. Doch es gab eine Ankunft, die sich von allen anderen unterschied. Sie war bedrohlicher und zugleich verführerisch.
Ich war fast an der Festhalle, als jemand meinen Namen rief. Ich drehte mich um und sah Sion. Ein alter Freund meines verstorbenen Vaters und einer der vielen Menschen, die sich über die Jahre um mich und Rena gekümmert haben.
„Pass auf, wohin du gehst, sonst stolperst du noch, Morena.“
„Da ist wirklich nichts vor mir, Onkel Sion. Warum sollte ich stolpern?“
Er sah mich seltsam an, bevor er leise lachte. „Keiner deiner Eltern war… ähm... naiv. Ich meinte nicht, dass du wortwörtlich stolperst. Obwohl das auch sehr wahrscheinlich ist.“
„Hast du mich gerade indirekt dumm und direkt tollpatschig genannt?“ Ich versuchte, so beleidigt wie möglich zu schauen, während ich ihn mit hochgezogener Augenbraue anstarrte.
„Ich sehe schon, du versuchst mich mit deinem Blick einzuschüchtern.“ sagte er mit einem leisen Lachen. „Dana hat dir das beigebracht, stimmt’s?“
Dana war seine Gefährtin. Sie haben sich vor zwanzig Jahren gefunden und sind seither unzertrennlich. Sion mag ein gefürchteter Rudelkrieger sein, aber ich habe ihn buchstäblich schon vor Dana zu Brei werden sehen. Er würde sich wirklich fürchten, wenn sie ihm nur einen Blick zuwirft – so einen, wie ich ihn jetzt versuche.
„Ich meine es ernst, Morena. Ich weiß, dass du nach deinem Gefährten suchst, aber sei dabei besonders vorsichtig. Das ist kein gewöhnlicher Anlass. Jeder Fehler hätte für dich und deine Schwester zuerst, dann für den Rest des Rudels schwerwiegende Folgen.“
„Das ist mir sehr bewusst, Sion. Mach dir keine Sorgen. Ich weiß, dass ich meistens unvorsichtig bin, aber das hier ist wirklich etwas anderes. Ich werde besonders vorsichtig sein. Ich will nur schnuppern und dann gehen. Ich schwöre es.“ Ich zwinkerte ihm zu und ging weiter zu meinem Ziel. Meine Nerven waren jetzt noch angespannter. Das Letzte, was ich brauchte, war eine Erinnerung daran, wie schlimm das ausgehen könnte.
**************
Endlich hatte ich mein Ziel erreicht. Ich stand weit hinten in einer Ecke, in der ich mich auch zu anderen Gelegenheiten oft versteckt hatte, und betrachtete den Raum. Runde Tische, ordentlich mit schwarzen Tischdecken bedeckt und mit goldenen Kronleuchter-Mittelstücken geschmückt. Zwei Tische in jeder Ecke waren voller Champagnergläser und Häppchen. Alpha Luke wollte wahrscheinlich keine Rudelmitglieder bedienen lassen. Leise Musik spielte im Hintergrund und die Gäste trafen einer nach dem anderen ein. Allesamt Alphas und ihre Betas. Alle in teuren Designeranzügen. Keine Frauen waren anwesend, außer denen aus unserem Rudel. Keiner der Gäste würde riskieren, seine Gefährtin zu einem potenziellen Blutbad mitzubringen. Sogar die Frauen aus unserem Rudel waren entweder Kriegerinnen oder unverpaarte Wölfinnen wie ich.
Die Stimmung im Raum begann sich allmählich zu verändern, je länger das Fest dauerte. Die Leute unterhielten sich meist mit aufgesetztem Lächeln, aber ich konnte aus meiner Ecke sehen, dass alle immer wieder verstohlen zur Tür blickten.
Ich schrieb Rena eine Nachricht über die Einzelheiten der Feier, als plötzlich alles stillzustehen schien. Osk heulte in meinem Geist und rief nach ihrer Gefährtin, aber selbst ihre Stimme schien in meinem Hinterkopf zu verklingen.
„GEFÄHRTE“, brüllte eine Stimme und das Treiben im Saal verstummte schlagartig. Eine bedrohliche Aura legte sich über den gesamten Raum.
Ich trat aus meinem Versteck hervor und ging etwas näher. Schiefergraue Augen fanden sofort meine. Er stapfte auf mich zu und stellte sich breitbeinig vor mich, als er nur noch wenige Zentimeter entfernt war. Er war mindestens zwei Köpfe größer als ich. Ich konnte den Blickkontakt nicht lösen, um sein ganzes Gesicht zu sehen. Seine Augen waren faszinierend, selbst jetzt, wo sie so einen kalten Blick ausstrahlten.
„Er kann doch unmöglich eine Gefährtin haben.“
„Er ist ein Monster!“
„Das arme Mädchen.“
Überall flüsterten die Leute, aber ich ignorierte sie alle. Ich war immer noch gefangen im Blick meines Gefährten, dessen Augen nun golden leuchteten. Reine Wut strömte aus ihm heraus.
„Sollen wir das in mein Büro verlegen, Alpha?“, fragte Alpha Luke. „Der Festsaal ist nicht der richtige Ort, um so etwas zu besprechen.“ fügte er vorsichtig hinzu.
Mein Gefährte wandte sich ihm zu, nickte knapp und bedeutete ihm, voranzugehen. Mein Gefährte war also ein Alpha? Interessant.
Ich konnte diesen Gedanken nicht einmal zu Ende führen, da er meine Hand ergriff und mich mit sich zog. Funken jagten durch meinen ganzen Körper an der Stelle, an der er mich berührte.

Obsidian Alpha
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