

Beschreibung
Bellamy lauft schliesslich davon. Vor den blauen Flecken. Vor den Lugen. Vor einer Ehe, die schon lange nicht mehr sicher ist. Sie landet in einer Bar, allein, verangstigt - und irgendwie in den Armen eines Fremden, der keine Fragen stellt. Eine Nacht. Keine Namen. Nur Hitze und Stille und ein Moment, in dem sie sich begehrt fuhlt. Am nachsten Morgen erscheint sie zu einem Vorstellungsgesprach, das ihr Leben verandern konnte. Und auf der anderen Seite des Tisches? Er. Nur sind es jetzt zwei von ihm. Zwillingsbruder. Einer ist kalt und undurchschaubar. Der andere tut, als ware nichts passiert. Sie weiss nicht, mit welchem sie die Nacht verbracht hat - oder welcher von beiden im Begriff ist, ihr Leben auf den Kopf zu stellen. Und als ein positiver Schwangerschaftstest auftaucht, wird Bellamys Neuanfang noch komplizierter.
Kapitel 1
Dec 9, 2025
Bellamy Perspektive
"Lass niemals zu, dass ein Mann die Hand gegen dich erhebt, Bells. Nicht ein einziges Mal. Nicht mal zur Hälfte. Hörst du mich?"
Die Stimme meines Vaters war immer so sanft. Sanft, aber bestimmt. Wie ein Versprechen, das in Donner gehüllt ist.
Ich erinnere mich an seine Hände, groß und warm, die mein Gesicht umfassten, als ich gerade acht war. Wir sahen einen Film – irgendeine Prinzessinnengeschichte – und ich fragte ihn, ob Liebe bedeute, zu weinen. Er sagte nein. Er sagte, echte Liebe tut nicht weh. Und falls ein Mann mir jemals wehtun sollte, auch nur einmal, sollte ich weglaufen.
Lauf, Bellamy.
Aber weglaufen ist schwer, wenn man versucht, eine Ehe mit zerbrochenen Stücken zusammenzuhalten.
"Wo zum Teufel ist mein Essen?!"
Seine Stimme zerriss die Stille in dem Moment, als ich die Haustür aufstieß. Ich hatte eine Einkaufstüte im Arm, Schlüssel baumelten noch an meinem Handgelenk. Ich hatte nicht erwartet, dass er hier ist. Sein Auto stand nicht draußen. Er sollte gar nicht zu Hause sein.
Ich blinzelte, das Herz kroch mir in den Hals. "Du bist früh zu Hause…"
Er trat in den Flur wie ein Schatten, der zu schnell wächst. Graue Stoffhose, weißes Hemd am Kragen aufgeknöpft, der Gürtel locker in seiner Hand. Sein Gesicht schon verzerrt vor Wut. "Wo warst du, hm? Irgendwo draußen, um dich mit irgendeinem Lustknaben hinter meinem Rücken zu treffen?"
Ich klammerte die Tüte fester. Die Äpfel darin rollten gegen das Plastik. "Ich… ich war nur auf dem Markt. Du hast gesagt, wir brauchen frische Sachen—"
"Ich HAB nach Essen gefragt. Nicht nach Ausreden."
Er warf den Gürtel über den Boden. Er landete in der Nähe der Treppe. Dennoch zuckte ich zusammen.
"Du bist ständig unterwegs. Immer draußen. Sicher, dass du wirklich auf dem Markt warst? Oder bist du da draußen, lächelst andere Männer an wie eine verzweifelte kleine Schlampe—"
"Bin ich nicht", flüsterte ich, aber meine Stimme zitterte schon. Ich hasste, wie sie klang – dünn, beschämt. Schwach. "Ich gehe auf den Markt. Ich komme nach Hause. Das ist alles."
Er schnaubte und kam auf mich zu. Seine Hände jetzt zu Fäusten geballt. "Warum brauchst du dann Wimperntusche für den verdammten Markt, hm?"
"Ich habe keine getragen—"
"Lügnerin."
Er drängte sich an mir vorbei in die Küche. Schränke wurden geöffnet. Zuschlagen. Schubladen ratterten. "Du konntest keinen Reis kochen? Nicht mal ein Ei braten? Du hattest den ganzen Tag Zeit, Bellamy!"
"Ich war draußen—"
Meine Stimme brach wieder. Zu leise. Immer zu leise.
Er drehte sich langsam um, seine Augen tasteten die Arbeitsplatte ab wie ein Raubtier auf der Suche nach einer Waffe. Dann griff er nach der Glasvase. Der mit den künstlichen Orchideen. Meine liebste. Mein Vater hatte mir diese Vase geschenkt, als ich bei ihm eingezogen bin. Es ist das Einzige, was mir von ihm geblieben ist.
"BITTE NICHT", flehte ich.
Aber er hob sie schon. Sein Arm holte aus.
Und dann hörte ich es. Nicht das Zerbrechen – noch nicht. Ich hörte die Stimme meines Vaters. Laut. Klar. Wie Donner in meinem Brustkorb.
"Wenn ein Mann auch nur daran denkt, dir weh zu tun, dann lauf. Pack dein Herz und lauf, so schnell du kannst."
Die Vase flog.
Ich duckte mich. Sie zerschellte an der Wand hinter mir. Glassplitter regneten wie stechende Sterne herab.
Ich dachte nicht nach. Ich atmete nicht. Ich bewegte mich einfach.
Die Einkaufstüte fiel aus meinen Armen. Äpfel rollten über den Boden. Eier zerbarsten auf den Fliesen.
Er schrie immer noch. Brüllte. Aber seine Stimme klang jetzt weit entfernt. Wie unter Wasser. Mein Herz hatte schon das Steuer übernommen.
Ich rannte.
Zur Tür hinaus. Die Treppe hinunter. Barfuß auf die Straße. Meine linke Ferse traf ein spitzes Steinchen, aber ich hielt nicht an. Ich spürte nichts.
Hinter mir donnerte seine Stimme von der Veranda.
"Komm SOFORT zurück, du undankbares—"
Ich sah nicht zurück.
Kein einziges Mal.
Denn die Stimme meines Vaters war jetzt lauter. Und sie sagte nur eins:
"Lauf, Bellamy. Lauf."

Slept with one Twin...and Fell for the Other
30 Kapitel
30
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