

Beschreibung
Lady Rosetta hat Jahre voller Herzschmerz als erste Ehefrau von Kronprinz Leander ertragen - acht verlorene Schwangerschaften, jede einzelne riss einen tieferen Abgrund zwischen ihnen auf. Als er die schone Grafin Cecily zu seiner zweiten Frau nimmt, akzeptiert Rosetta ihr Schicksal mit stiller Wurde. Doch alles andert sich an dem Tag, an dem sie endlich gesunde Zwillingssohne zur Welt bringt. Kronprinz Leander stellt die Zwillinge dem Konigreich als Cecilys Erben vor und brandmarkt Rosetta als Wahnsinnige, die Totgeburten zur Welt gebracht und versucht hat, einer anderen Frau die Kinder zu stehlen. Verbannt und gejagt, flieht Rosetta in die Wildnis, wo Lord Kyrell ihr das Leben rettet. Auf dem Anwesen des Herzogs Phideus enthullt das letzte Geschenk eines sterbenden Konigs - ein geheimnisvoller Medaillon - eine Wahrheit, die alles erschuttert: Rosetta ist keine unbedeutende Adelige.
Kapitel 1
Apr 9, 2026
Rosettas Perspektive
Wenn ich ihm diesmal keinen lebenden Erben schenke, wird mein geliebter Ehemann mich loswerden. Oder Schlimmeres.
Denn als Kronprinz von Reaton könnte Leander mit mir machen, was immer er wollte.
Denn ich bin die Frau, die ihm in über sechs Jahren kinderloser Ehe keinen Erben gebären konnte. Ich bin die Frau, die ihre Hauptpflicht vor ihrem Ehemann und dem Königreich nicht erfüllen konnte. Ich bin die Schande, die ihm am königlichen Hof wie ein Schatten folgt.
Der Gedanke kreist durch meinen Kopf wie ein Gebet oder ein Fluch.
Mein Körper windet sich in einer weiteren Wehe, und ich schreie – ein roher, animalischer Laut, der von den Steinwänden meiner Gemächer widerhallt. Der Schmerz ist schlimmer als alles, was ich je gekannt habe, und ich habe viel Schmerz gekannt.
Fünf Fehlgeburten. Drei Totgeburten. Achtmal habe ich gespürt, wie das Leben aus mir schwand, gesehen, wie Leanders blaue Augen mit jedem Verlust kälter wurden, wie seine Liebe zu gefühlloser Pflicht erstarrte.
Wenn ich ihm diesmal keinen lebenden Erben schenke, wird mein geliebter Ehemann mich loswerden. Das weiß ich.
„Pressen, gnädige Frau!“ Die Stimme der Oberhebamme durchschneidet das Leiden. „Das Köpfchen ist schon zu sehen. Ihr müsst jetzt pressen!“
Ich presse mit allem, was mir noch geblieben ist, spüre, wie etwas in mir reißt. Der metallische Geschmack von Blut füllt meinen Mund, wo ich mir die Lippe durchgebissen habe. Schweiß klebt mein Haar an mein Gesicht, meinen Nacken.
Ich kann nicht atmen, nicht denken – es gibt nur noch diesen Schmerz, der mich von innen zerreißt.
Im Schloss, in Gemächern, die viel prächtiger sind als meine, liegt Gräfin Cecily ebenfalls in den Wehen. Leanders zweite Frau. Die schöne, junge, fruchtbare Ersatzfrau, die er nahm, als klar war, dass ich ihm nicht geben konnte, was er brauchte.
Sie ist erst seit weniger als einem Jahr seine Frau, und schon bringt sie ein Kind zur Welt. Schon hat sie geschafft, woran ich achtmal gescheitert bin.
Wenn ich ihm diesmal keinen lebenden Erben schenke…
„Noch einmal, gnädige Frau! Pressen!“
Ich presse. Ich presse, bis ich sicher bin, dass mein Körper endgültig zerbricht, bis die Welt sich auf nichts als weißglühende Qual verengt. Dann… Ein Schrei. Diesmal nicht meiner – ein Babyschrei.
Der Laut lässt mein Herz gefrieren, dann rast es so schnell, dass ich denke, es könnte zerspringen. Ich höre die Hebammen sich bewegen, schnell miteinander sprechen, aber ich kann die Worte nicht verstehen vor dem Rauschen in meinen Ohren.
Dieser Schrei – dieses kleine, wütende Wimmern – ist der schönste Klang, den ich je gehört habe.
„Gnädige Frau…“, sagt die jüngere Hebamme, und ihre Stimme klingt merkwürdig. Behutsam. „Ihr habt einen Sohn.“
Sie legt ihn mir zur ersten Berührung auf die Brust, und ich schluchze. Große, bebende Schluchzer, die meinen ganzen Körper erschüttern. Er ist so klein, so vollkommen, windet sich auf meiner Haut mit geballten, winzigen Fäustchen.
Und er lebt. Er lebt. Nach acht Engelskinder, achtmal, als ich sah, wie Leanders Gesicht ein Stück weiter verschloss, achtmal, als ich innerlich starb… dieses Kind lebt.
„Leander“, hauche ich, meine Stimme bricht. „Holt den Kronprinzen. Sagt ihm… Sagt meinem Mann, wir haben einen Sohn. Sagt ihm—“
„Gnädige Frau, da kommt noch einer.“ Die Hand der Oberhebamme drückt auf meine Schulter. „Das zweite Kind kommt!“
Die Worte kommen erst nicht bei mir an, aber dann zieht mein Körper sich wieder zusammen, und ich verstehe.
Zwei. Zweites Kind. Nicht ein Wunder, sondern zwei.
Doppelter Segen. Doppelte Rettung.
Sie nehmen mir meinen ersten Sohn aus den Armen, um ihn zu reinigen, und ich möchte sie anschreien, ihn zurückzubringen, doch eine weitere Wehe zerreißt mich. Ich presse wieder, und diesmal geht es schneller, leichter. Oder ich bin einfach zu zerbrochen, um es noch genauso zu spüren.
Noch ein Schrei erfüllt den Raum, diesmal noch lauter als der erste. „Noch ein Junge!“
Zwei Söhne. Ich habe Leander zwei Söhne geschenkt, zwei lebende Erben.
Die Erkenntnis überrollt mich wie eine Welle. Das ändert alles. Cecily hat heute vielleicht auch entbunden, aber dagegen kann sie nicht ankommen. Zwei gesunde Erben, zwei lebende Jungen.
Das wird Leander zu mir zurückbringen. Das wird unsere Liebe wiederbeleben. Seine Liebe.
Das wird ihn daran erinnern, wie er mich ansah, als wir jung waren. Als wäre ich seine ganze Welt, als könnte er ohne mich nicht atmen.
Das wird zurückbringen, was wir zwischen der dritten Fehlgeburt und der vierten verloren haben. Was zu Staub zerfiel nach der letzten Totgeburt, als er ganz aufhörte, meine Gemächer zu besuchen.
Vielleicht lässt er sich jetzt sogar von Cecily scheiden. Schickt sie zurück auf das Gut ihres Vaters. Wozu braucht er eine zweite Frau, wenn seine erste ihm endlich nicht nur einen, sondern zwei gesunde Söhne geschenkt hat?
Der Gedanke flattert in meiner Brust wie ein verzweifelter Vogel.
„Gnädige Frau.“ Die jüngere Hebamme kommt näher, mein erster Sohn in ihren Armen, in weiches Leinen gewickelt. „Möchtet Ihr ihn halten, während wir seinen Bruder reinigen?“
„Ja.“ Meine Stimme ist dick von Tränen. „Bitte… Bitte, lasst mich ihn halten.“
Sie legt ihn mir mit überraschender Sanftheit in die Arme, und ich halte ihn fest, sauge jedes Detail in mich auf.
Seine winzige Nase, so vollkommen, dass sie irreal wirkt. Sein zarter Mund. Seine winzigen Finger, jeder mit dem kleinsten Nagel, den ich je gesehen habe.
Er ist vollkommen. Er ist mein. Er ist unser. Das Ergebnis unserer Liebe und Hoffnung.
Ich schiebe das Leinen ein wenig zur Seite, muss ihn ganz sehen, um sicher zu sein, dass er heil und gesund ist. Da entdecke ich es an seinem Arm – ein vertraimes Muttermal. Klein und markant, es sieht aus wie ein kleiner vierzackiger Stern.
Mein Atem stockt. Ich habe dasselbe Muttermal, an exakt derselben Stelle, in derselben Form. Mit zitternden Fingern fahre ich die Form nach, und etwas Wildes, Ursprüngliches durchströmt mich.
Das ist mein Sohn. Mein Wunder. Meine Erlösung.
„Ist er nicht wunderschön?“ flüstere ich der Hebamme zu, die Stimme bricht. „Seht ihn euch an… Er ist vollkommen. Sie sind beide vollkommen. Schickt sofort Nachricht an den Kronprinzen. Sagt ihm, er soll kommen. Sagt ihm, ich habe ihm zwei Söhne geboren. Sagt ihm—“
Plötzlich legen sich Hände um mein Baby.
„Was…“ Ich versuche, ihn festzuhalten, aber die jüngere Hebamme hebt ihn mir schon aus den Armen. „Wartet, was tut ihr da? Ich muss ihn stillen, ich muss—“
„Wir müssen beide gründlich untersuchen, gnädige Frau.“ Die Stimme der Oberhebamme klingt glatt, routiniert. „Um sicherzugehen, dass sie gesund sind. Ihr müsst euch jetzt ausruhen, Ihr habt viel Blut verloren.“
„Aber…“ Meine Arme fühlen sich unendlich leer an, kalt und falsch. „Wohin bringt ihr sie? Untersucht sie einfach hier. Ich will—“
„Das ist Standardverfahren, gnädige Frau.“ Sie bewegt sich schon mit beiden Babys zur Tür, die jüngere Hebamme folgt dicht dahinter. „Wir kommen gleich mit einem vollständigen Bericht für den Kronprinzen zurück. Versucht zu schlafen.“
„Nein!“ Ich versuche, mich aufzurichten, aber mein Körper schreit vor Schmerz. Alles tut weh, alles fühlt sich falsch an. „Wartet! Wohin bringt ihr meine Söhne? Ich habe sie schreien gehört – sie sind gesund. Es ist nicht nötig—“
Die Oberhebamme hält an der Tür inne. Für einen Moment treffen sich unsere Blicke, und etwas in ihrem Ausdruck lässt mein Blut gefrieren.
Keine Sympathie, keine Sorge, sondern etwas Kaltes und Kalkulierendes. Etwas, das nicht ins Gesicht einer Frau gehört, die gerade zwei gesunde Thronerben zur Welt gebracht hat.
„Eure Söhne, gnädige Frau?“ Ihre Stimme ist leise, fast mitleidig. „Wollen wir nicht voreilig sein. Die Untersuchung wird alles ergeben. Ruht euch jetzt aus.“
Sie dreht sich um, und ich höre es – so leise, dass ich fast glaube, es mir eingebildet zu haben. Die jüngere Hebamme lehnt sich zu ihrer Vorgesetzten, flüstert, während sie durch die Tür schlüpfen: „Die Herrin wird zufrieden mit uns sein…“
„Wartet!“ Ich versuche zu rufen, doch meine Stimme bricht, kommt kaum über ein Flüstern hinaus. „Kommt zurück! Bringt mir meine Söhne! Bringt sie—“
Die Tür schließt sich mit einem leisen Klicken, gerade als die Dunkelheit an den Rändern meines Blickfelds heraufzieht und mich trotz aller verzweifelten Gegenwehr hinabzieht. Mein Körper kann nicht mehr. Ich habe alles gegeben, um diese Kinder lebend in die Welt zu bringen.
Bevor die Dunkelheit mich ganz verschlingt, bleiben die Fragen, die mich in meinen Träumen verfolgen werden: Wohin haben sie meine Söhne gebracht? Welche Herrin wird zufrieden sein?
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Stolen Children of The Hidden Queen
30 Kapitel
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