

Beschreibung
Astrid Ragnardottir liebt Bjorn Eisenseite, seit sie funfzehn ist, und ihre bevorstehende Hochzeit wird zwei machtige Clans in einem Bund vereinen, der fur sie sowohl Allianz als auch Liebe bedeutet. Doch als die beruchtigten Ulfheim-Krieger auf ihrem Hochzeitsfest erscheinen-angefuhrt vom geheimnisvollen "Blutwolf", einem gnadenlosen Eroberer, dessen Identitat im Verborgenen bleibt-erwacht Astrids Gabe des Wahrsinns mit einer erschutternden Vision: Sie selbst in den Armen eines dunkelhaarigen Fremden, sein Mund an ihrer Kehle, wahrend er sie "meine Liebe" nennt. Als die Vision verblasst, wird ihr klar, dass sie seit Monaten von diesem Mann traumt, dessen Gesicht sich beim Erwachen immer auflost. Jetzt steht er auf der anderen Seite des Saals, sturmgraue Augen fest auf ihre gerichtet, und etwas in seinem Blick verrat, dass auch er gewartet hat. Mit der Hochzeit nur noch wenige Tage entfernt und den Visionen, die immer dringlicher und zerrissener werden, muss Astrid nun die gefahrlichen Gewasser zwischen Pflicht und Prophezeiung durchqueren-zwischen dem goldhaarigen Krieger, dem sie versprochen ist, und dem gefahrlichen Nordmann, der sie ansieht, als gehore sie langst ihm.
Kapitel 1
Feb 28, 2026
[Astrids Perspektive]
Meine Finger zupfen nervös am Saum meines Ärmels, während ich wieder einmal auf die Türen der Festhalle starre. Das Methorn in meiner anderen Hand zittert, seit einer Stunde unberührt.
Um mich herum feiert Ravnfjord – die Krieger tief in ihren Krügen, und die Knechte weben geschickt zwischen Tischen, die sich unter Speisen biegen. Das dröhnende Lachen meines Vaters schneidet durch das Stimmengewirr, aber ich kann meinen Blick nicht von jener Schwelle lösen.
Drei Monate. Einundneunzig Tage, seit mein geliebter Bjorn zu den südlichen Siedlungen aufbrach. Seit ich sein goldenes Haar mit einem Versprechen auf den Lippen über dem Horizont verschwinden sah und mein Herz in seiner Obhut blieb.
„Er wird vor Neumond zurück sein“, hatte Sigrid damals gesagt. „Krieger tun das immer.“
Der Neumond kam und ging. Dann noch einer. Und noch einer.
Meine Gabe – diese verfluchte, gesegnete zweite Sicht, mit der die Götter mich belastet haben – war gnädig still. Keine Visionen von drachengezierten Schiffen, die an Klippen zerschellen. Kein Bild von Bjorns Körper, kalt und blutleer auf einem fremden Feld. Nur ... nichts.
Eine Abwesenheit, die trösten sollte, doch stattdessen an meinen Rippen nagt wie Hunger.
Die Türen schwingen auf. Mein Atem stockt – aber es sind nur weitere Männer meines Vaters, deren Gesichter vom kalten Nachtwind gerötet sind, während sie den Schnee von ihren Stiefeln stampfen.
Nicht er. Nie er.
Mit einem bitteren Schluck leere ich das Methorn.
„Du läufst noch ein Loch in den Boden bei all dem Starren.“
Mutter erscheint an meiner Seite, ihre Hand sanft auf meinem Rücken. Sie trägt ihr Schönstes – tiefroter Wollstoff, gehalten von den silbernen Fibeln, die sie als Frau des Jarls auszeichnen.
„Er wird kommen“, flüstere ich – mehr Gebet als Gewissheit.
„Natürlich wird er das.“ Doch in Mutters Lächeln liegt etwas Verkrampftes, das mir den Magen zusammenzieht. „Das Bündnis zwischen unseren Sippen hängt davon ab.“
Das Bündnis. Immer das Bündnis.
Als ob nicht auch mein Herz daran hängt. Als hätte ich Bjorn nicht geliebt, seit ich fünfzehn war und er mich in meines Vaters Halle ansah, als wäre ich etwas Kostbares. Etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt.
Die Türen öffnen sich erneut, und diesmal weiß mein Herz es, noch bevor meine Augen es sehen.
Bjorn schreitet herein, als sei er einem Sturm und einer Sage entsprungen. Breite Schultern in Pelze gehüllt, der goldene Bart mit Silberringen geflochten, bewegt er sich mit jener Kriegeranmut, die mir schon als Mädchen den Atem raubte.
Die Halle bebt. Männer drängen heran, schlagen ihm auf den Rücken, heben ihre Hörner. Mein Vater springt beinahe über eine Bank, um ihn zu erreichen. Doch Bjorns Augen – jene blauen Augen, die meine Träume durch Monate des Wartens heimsuchten – finden mich im Tumult.
Alles andere verblasst.
Ich bewege mich, noch ehe ich denken kann, schlängle mich durch die Menge. Mein Puls hämmert in meiner Kehle, meine Handflächen sind feucht. Die Welt schrumpft auf ihn, nur auf den Raum zwischen uns, der mit jedem Schritt kleiner wird – bis ...
„Astrid.“ Wie er meinen Namen sagt, lässt mir die Knie weich werden. „Götter, du bist schöner, als ich es in Erinnerung hatte.“
„Lügner“, hauche ich, doch ich lächle so sehr, dass es schmerzt. „Ich habe seit Wochen nicht richtig geschlafen. Ich sehe aus wie—“
„Wie alles, wofür ich heimgekehrt bin“, unterbricht er, sein Daumen streicht meine Wange. „Der Gedanke an dich hielt mich warm in Nächten, so kalt, dass ich fürchtete, mein Blut würde gefrieren.“
„Bjorn!“ Die Stimme meines Vaters schneidet durch diesen Moment wie eine Axt durch Fleisch. „Wir müssen reden. Dringende Sippenangelegenheiten, die keinen Aufschub dulden.“
Etwas flackert in Bjorns Blick. Er tritt zurück, seine Hände sinken herab, und plötzlich fühlt sich die Luft zu kalt an, der Abstand zwischen uns zu groß.
„Natürlich, Jarl Ragnar.“ Er schaut mich an, schenkt mir ein Lächeln, das beruhigend wirken soll. „Vergib mir, meine Liebe. Die Pflicht ruft.“
„Jetzt?“ Das Wort kommt kleiner heraus, als ich wollte. „Bjorn, du bist gerade erst—“
„Nach drei Monaten, was macht da noch eine Stunde?“ Er küsst meine Stirn – schnell, pflichtbewusst, wie ein Kuss für eine Schwester – und dann ist er fort.
Ich stehe da, die Arme nutzlos an meiner Seite, schmecke noch die Worte, die ich nicht sagen konnte.
„Nun.“ Meine Cousine taucht neben mir auf, einen Weinkelch bereits an den Lippen, jenes wissende Lächeln an den Mundwinkeln. „Das war ... kurz.“
Sigrid ist heute Nacht prachtvoll – das lange dunkle Haar wie Schlangen gewunden, die grünen Augen leuchten vor Schalk. Schön und scharf wie eine Klinge. Ich glätte mein Kleid, zwinge Ruhe in meine Stimme.
„Wichtige Angelegenheiten. Die Überfälle, vermutlich. Er wird mich aufsuchen, wenn das Geschäft erledigt ist.“
„Mmm.“ Sigrid nippt langsam, beobachtet mich über den Rand ihres Kelches. „Seltsam, nicht wahr? Ein Mann, der verzweifelt verliebt ist, drei Monate getrennt von seiner Verlobten, und in dem Moment, da er ankommt, wählt er Politik über Leidenschaft…“
Hitze steigt mir in den Nacken. „So ist es nicht. Unsere Hochzeit vereint zwei mächtige Sippen. Liebe und Bündnis. Er ist nur ... verantwortungsbewusst.“
„Natürlich.“ Ihr Lachen klingt wie brechendes Eis. „Vielleicht liebst du ja einfach für euch beide genug. Wie praktisch für ihn.“
Der Stachel sitzt tief, aber bevor ich ihn – uns – verteidigen kann, ertönen Hörner von draußen. Nicht unsere Hörner. Diese Töne sind tiefer, dunkler, mit einer Schärfe, die mir die Härchen auf den Armen aufstellt.
„Wer kommt denn jetzt?“ flüstere ich. „Die Hochzeit ist erst in einer Woche.“
Die Halle verstummt, als die Türen sich öffnen, und nordische Krieger treten ein.
Die Männer marschieren in perfekter Formation, das Wolfsbanner von Úlfheim tragend. Früher Feinde, nun als Zeugen zur Hochzeit geladen, die jedes Bündnis von hier bis zu den östlichen Siedlungen verändern wird.
Vater bestand darauf, obwohl Mutter fürchtete, die alten Wunden seien zu tief.
Neugierig suche ich ihren Anführer, obwohl ich es nicht will. Doch es ist ein Krieger, der mir den Atem raubt.
Er bewegt sich anders als die anderen – geschmeidig, wo sie steif sind, anmutig, wo sie kraftvoll erscheinen. Dunkles Haar fängt das Feuerlicht wie Rabenflügel, und in seiner Haltung liegt etwas von kaum gebändigter Gewalt.
Schön, auf die Art, wie ein Sturm schön ist. Furchteinflößend und magnetisch und unmöglich, wegzusehen.
„Wer führt sie an?“ frage ich, nicht ganz sicher.
„Du hast es nicht gehört?“ Thyra erscheint an meiner anderen Seite, atemlos vor Klatschlust. „Die Führung von Úlfheim wechselte vor wenigen Monaten gewaltsam. Irgendein Krieger besiegte den Jarl durch Blut und List, hält seine Identität aber vor den anderen Sippen verborgen.“
„Verborgen?“ Sigrids Interesse ist geweckt. „Wie dramatisch.“
„Sie nennen ihn Blutwolf“, fährt Thyra leiser fort. „Alle erwarten, dass er sich hier offenbart. Die Geschichten ...“ Sie schaudert. „Selbst seine eigenen Männer fürchten ihn. Man sagt, er habe den alten Jarl mit bloßen Händen getötet, dessen Söhne mussten zusehen. Ein Tier im Körper eines Mannes.“
Ich suche in der Kriegerschar nach jemandem, der dieses Monster sein könnte, doch mein verräterischer Blick kehrt immer wieder zu dem dunkelhaarigen Krieger zurück. Etwas an ihm kommt mir bekannt vor, wie ein Lied, das ich gehört habe, aber nicht ganz erinnern kann.
Und als sich seine Augen über den Saal mit meinen treffen, kippt die Welt.
Eine Vision flammt hinter meinen Lidern auf wie Blitz, der Stein spaltet – plötzlich und gewaltsam. Bilder überrollen mich in Wellen aus Hitze und Verlangen: Ich sehe mich gegen Stein gepresst, den Mund dieses Fremden an meiner Kehle, meine Hände verstrickt in seinem dunklen Haar.
Seine Stimme rau vor Sehnsucht, als er mich ruft – 'Meine Liebe.'
Die Vision zerbricht, und ich schnappe nach Luft, taumele zurück. Sigrid packt meinen Ellbogen, ihr Griff fest genug für einen blauen Fleck. „Astrid? Was ist los?“
Aber ich kann nicht antworten. Kann nicht sprechen. Denn ich kenne diese Vision genau.
Ich träume sie seit Monaten, immer mit einem Mann, dessen Gesicht beim Erwachen vergeht. Zurück bleibt nur das Gefühl, beansprucht, besessen, geliebt zu werden mit einer Intensität, die an Gewalt grenzt.
Ein Mann, von dem ich überzeugt war, er sei nur Fantasie. Das Werk meines Geistes.
Nur steht er am anderen Ende der Halle. Und sieht mich an mit diesen sturmgrauen Augen – und in seinem Blick liegt die Gewissheit, dass er es weiß.

The Bloodwolf’s Bride
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